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JOCHEN STENGER MOMENTI ITALIANI
24.04.2005 – 22.05.2005
Stanko Abadzic (Kroatien)
"Schattenbilder"

"Es sind gegenständliche, fast banale Momente und surreale Eindrücke, die sich gleichermaßen durch ´Schattenbilder´ ziehen. Die Polarität von Licht und Schatten ist dabei allen Arbeiten gemein. Der kroatische Künstler beansprucht nicht mehr, als Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts zu sein. Schönheit, Aufschwung und Wohlstand kennzeichnen dieses ebenso wie Katastrophen, Kriege und Revolutionen. Seine Arbeiten, die Menschen zumeist nur schemenhaft oder als Teil einer spezifischen Umgebung zeigen, stellen die Frage nach dem Sinn des Lebens aller Nachkriegsgenerationen. Er möchte jene Melancholie einfangen, die die Welt in Zeiten von Massenvernichtungswaffen und globalen Kriegen eingeholt hat.

Die Reduktion auf schwarz und weiß hilft Abadzic, zeitliche Dimensionen verschwinden zu lassen. Seine Bilder könnten vor hundert Jahren entstanden sein, vielleicht gestern, in der Morgensonne oder im Abend-licht. Sie geben keine Antwort darauf. Vielmehr fokussieren sie be-stimmte Gefühlslagen. Seine Message ist zeitlos: Die Welt ist voller Schmerz – wo jetzt Licht ist, wartet bereits der nächste Schatten. Einsamkeit ist ein Thema: Der einsame Passant auf einer großen Treppe, der einsame Ladenbesitzer vor seinem verlassenem Geschäft, der einsame Gestürzte, dessen Einkäufe sich auf der Straße ausbreiten. Auch Abadzis Landschaftsmotive verweisen auf Leere: Sandstrände, Strommasten vor bizarren Wolkenkonstellationen oder kahle Wände und Wege zieren die ´Fototreppe´ aktuell.
´Einsamkeit ist der Weg, auf dem das Schicksal des Menschen zu sich selber führen will´, schrieb Hermann Hesse. Stanko Abadzic hat diese Wege dokumentiert. Sie führen über Straßen, Plätze und Tunnel und Gassen. Am Ende fühlt der Betrachter die Melancholie des Künstlers. Die Sinnfrage dagegen bleibt individuell zu beantworten."


Text: Maryanto Fischer

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