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JOCHEN STENGER MOMENTI ITALIANI
23.11. – 14.12. 2014
Friedrich Saller

"Das WET PLATE Verfahren"

"The imperfections in paper photography ... has induced me ... to find some other substance, more applicable, and meeting the necessary conditions required of it, such as fineness of surface, transparency and ease of manipulation"
Frederick Scott Archer, 1813 - 1857

Das Kollodium Nassplatten Verfahren wurde 1851 vom Engländer Frederick Scott Archer erfunden. Die damals vorherrschende Technik in den Anfängen der Photographie waren die Daguerrotypie (detailreich u. qualitativ  hoch wertig aber nicht reproduzierbar) und Talbots Kalotypie auch Talbotypie (Papier Negativ-Verfahren, reproduzierbar aber sehr grobkörnig durch die Maserung des Papiers).
Frederick Scott Archer beschrieb im Jahr 1851 ein Verfahren zur Herstellung von Negativen auf Basis von Kollodium beschichteten Glasplatten. Obwohl Gustave Le Gray ebenfalls mit Kollodium experimentierte, veröffentlichte Archer eine ausführliche Beschreibung und gilt als Erfinder des Kollodium-Nassplatten-Verfahrens.
Diese Erfindung revolutionierte die Fotogeschichte: erstmals war es mit einem Negativ-Positiv Verfahren möglich, nahezu kornlose Vergrößerungen zu fertigen.
Das Verfahren wird als "nasses" Kollodiumverfahren bezeichnet, weil die aufgetragene Kollodiumschicht während der gesamten Verarbeitung nass bzw. feucht bleiben muss, da die Platte sonst die Lichtempfindlichkeit verliert. So musste ein Reisefotograf stets ein mobiles Dunkelkammerzelt mit sich führen, fotografische Ausrüstungen um die 250 kg waren damals keine Seltenheit. Das war auch der große Nachteil dieses Prozesses, der für ca. 3 Jahrzehnte der wichtigste in der Fotogeschichte blieb.
Eine Weiterentwicklung der Kollodium-Nass-Platte ist die Kollodium-Trockenplatte (1855) und später die Gelatine-Trockenplatte, die 1871 von Richard Leach Maddox (1816 – 1902) entwickelt wurde.
Diese löste das Kollodiumverfahren um 1880 ab. 1879 stellte George Eastman erstmals Trockenplatten maschinell her. Diese hatten den großen Vorteil, dass sie nicht nass verarbeitet werden mussten und keine Dunkelkammer auf Reisen mehr notwendig war. Das Kollodium Nassplatten Verfahren verschwand sozusagen "über Nacht".
Berühmte Fotografen, die mit Kollodium arbeiteten waren unter anderem Julia Margaret Cameron (1815-1879), Roger Fenton (1819-1869), der den Krimkrieg fotografisch dokumentierte und Nadar (1820-1910; eigentlich Gaspard-Félix Tournachon).

Ambrotypie
Die Ambrotypie (Melanotypie, Amphitypie oder kurz Ambro, von dem griechischen Wort „ambrotos“, „unsterblich“) ist ein fotografisches Direktpositiv-Verfahren, das im nassen Kollodiumverfahren hergestellt wird und zwischen 1852 und 1890 verwendet wurde; es wurde vor allem als preiswerter Ersatz für die Daguerreotypie genutzt.
Die Bildwirkung der Ambrotypie basiert auf einer knapp belichteten und entwickelten iod- und bromsilberhaltigen Kollodiumschicht auf Glas. Das weißliche Glasnegativ wird mit schwarzem Papier oder Samt hinterlegt und erhält so seine positive Bildwirkung (Scheinpositiv); das Negativ erscheint aufgrund des Dunkelfeldprinzips vor einem dunklen Hintergrund als Positiv. Genutzt wird also ein Unikat.

Ferrotypie
Offensichtlich waren Andenkenbilder etwa von 1860 bis in das 20. Jahrhundert hinein sehr beliebt. Es war eine Art frühe Sofortbildfotografie. Wenn unsere Vorfahren frohgelaunt Touristenattraktionen oder Jahrmärkte besuchten, war oftmals ein Fotograf zugegen. Ferrotypien waren besonders leicht herzustellen. Die Abgebildeten konnten das Ergebnis bereits nach sehr kurzer Zeit bewundern. Damit man sich an den Ort und/oder das Jahr erinnerte, wurden diese Bilder sehr oft mit attraktiven Passepartouts verkauft. Das Foto selbst und das Passepartouts wurde durch eine umklebte Glasplatte geschützt.
Ferrotypien machen meistens keinen  hoch wertigen Eindruck. Oft wirken sie -auch durch Fehlbelichtung oder unzureichende Verarbeitung verursacht- eher "ärmlich".
Als Schichträger für das nasse Kollodium wurde ein schwarz lackiertes Eisenblech verwandt. Die Ferrotypie ist ein Direktpositivverfahren, das heißt, dass ein knapp belichtetes Negativ vor einem dunklen Hintergrund positiv erscheint. Ferrotypien (Blechfotografie, Tintype, Melanotypie) sind Unikate.

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