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JOCHEN STENGER
 

17.11. - 1.12.2019

Markus Kaesler - Zwischenräume 

Vor
dergründig betrachtet ist Fotografie ein technisches Medium zur Abbildung von Wirklichkeit. Die digitale Technik stellt dafür immer bessere Möglichkeiten zur Verfügung. Markus Kaesler beschreitet mit seiner pinhole-Fotografie den entgegengesetzten Weg. Der vollständige Verzicht auf moderne Technik reduziert das Medium auf das Wesentliche: Licht und Zeit, Ort und Bewegung. Kaeslers Arbeiten reflektieren damit auf grundsätzliche Weise die Bedingungen ihres Entstehens.Er stellt Fragen, die weit über das bloße Abbilden hinausgehen: Was passiert beispielsweise, wenn Licht unterschiedlichen Ursprungs am selben Bild arbeitet? Oder: Wie sieht die Zeit und die Distanz zwischen zwei Orten aus? Die Übergänge und Zwischenräume, die dabei entstehen, machen den besonderen Reiz von Kaeslers Arbeiten aus.    
Text: Mathias Wiebach  

Die einzelnen in der Ausstellung vertretenen Serien: 

 

shapes of structure 

Die Verbindung der Gegensätze Bewegung und Statik und ihre harmonische Vereinigung in einem Bild stellt eine Grundidee der Serie shapes of structure dar. Das Verschmelzen des Stromes der Zeit mit dem Statisch-Starren der Architektur in einem Bild. Fließende Übergänge und die dadurch verwischenden Grenzen bilden eine, diese beiden Elemente beinhaltende Bildästhetik. Eine weitere zentrale Idee dieser Architekturfotografien lässt sich mit Reduktion beschreiben. Reduktion auf mehreren Ebenen. Sowohl die bildgestalterische Vereinfachung der Architekturen auf ihre elementare Grundformen und die Reduktion der Farben zu Graustufen, als auch das maximale Rückführen der Fotografie auf ihre optischen Grundlagen durch die Verwendung einer pinhole – Kamera. Ergänzend dazu steht die Suche nach der Ruhe in der Bewegung. Oder besser: der fließende Übergang zwischen diesen beiden Gegensätze. Die Kamera bewegt sich während der Aufnahme, während das Objekt verharrt.Dabei stellt die Zeit einen wichtigen Aspekt der Aufnahme dar. Lange Belichtungszeiten bewirken eine Art Innehalten, eine Atempause in einer immer schneller werdenden Welt, während die kontinuierliche weitergeführte Bewegung der Kamera bewirkt, dass sich Oberflächenstrukturen und Konturen teilweise auflösen und im Diffusen abtauchen. 

 

between light and shadow 

Die global fotografierte Serie between light and shadow hinterfragt, mit Hilfe von geographisch nicht zuordenbaren Fotografien, was passiert, wenn wir Heimat und Fremde nicht mehr unterscheiden können.Man sieht nur Beton, Schatten und monochromen Himmel. Licht, das in dunkle Räume dringt. Unabhängig vom Ursprungsort der Aufnahme. Die Beschaffenheit des Baustoffes Beton lässt in Verbindung mit Licht Räume entstehen, die frei von geographischen Faktoren sind. Es entstehen Bilder, die sich nicht lokalisieren lassen, und die, durch die gefühlte Absenz kultureller Zugehörigkeit, die Freiheit besitzen, von allen Seiten neutral betrachtet werden zu können. In Brasilia wie in Havana.Die Loslösung von wertender kultureller oder religiöser Aufladung eines Ortes und die radikale Reduktion auf die Materialität im Zusammenspiel mit Licht zeigen Analogien auf, die Grenzen überschreiten. Gerade auch in unserer Wahrnehmung: was ist Fremd, was ist Teil der Heimat?Zuhause und Fremde verschwimmen in der Wahrnehmung; das Fremde wird Teil des Bekannten und das Bekannte Teil des Fremden.between light and shadow ist das Zusammenführen zweier ursprünglich eigenständiger Serien, die unter diesem Titel zum ersten Mal in direkten Bezug gesetzt werden.Beide sind unabhängig voneinander entstanden und beschäftigen sich doch mit demselben Thema. Mit dem Unterschied, dass die Annäherung von der jeweils diametral gegensätzlichen Richtung erfolgt.Beide Serien eint die kompositorische Klarheit zwischen den Polaritäten schwarz und weiß, hell und dunkel. Im Spannungsbereich zwischen Licht und Schatten. Was passiert, wenn Tageslicht in dunkle Räume fällt? Was, wenn Schatten offene Strukturen formen? Das Entstehende ist nicht statisch, sondern durch den Sonnenstand ständiger Veränderung unterworfen. Das Bild ist nur eine Momentaufnahme. Das Essentielle spielt sich dazwischen ab.Rein formalästhetisch betrachtet stellen beide Serien eine sich schließende Einheit dar. In der Einen wird die Spannung aus den hellen Elementen gearbeitet, in der anderen aus den dunklen Räumen heraus.Gemeinsam bilden sie einen sich schließenden Kreis. Es entsteht eine Harmonie zwischen Licht und Schatten, ein Ausgleich zwischen den sich gegenseitig bedingenden Gegensätzen.   

 

between earth and air 

between earth and air ist eine fotografisch-philosophische Auseinandersetzung mit dem Raum, der zwischen festem Untergrund und Luft von Wasser eingenommen wird. Der Raum, der eine trennende Verbindung zwischen Erde und Luft bildet. Eine Zone, in dem sich die horizontale Bewegung des Wassers mit der vertikalen Bewegung des Pflanzenwachstums kreuzt. Eine endlose Bewegung zwischen zwei konträren Aggregatszuständen. Dieser Raum, der mit zunehmender Tiefe aus dem Zeichnen mit Licht ein Zeichnen mit Restlicht macht, erfordert, und ermöglicht, Unterwasser-Langzeitbelichtungen, die wirken, wie aus unserer Welt gefallen, und die doch nichts anderes tun, als eine Realität abbilden, derer wir oft nicht gewahr werden. 

 

fragments 

Die Verbindung von Schaufensterpuppen und grafisch reduzierten Ausschnitten von Architekturen ist ein Spiel mit Irritation und Ästhetik. Das Bruchstückhafte der, von der Zeit gezeichneten, Schaufensterpuppen fügt sich durch Überlagerungen in die Ausschnitte der Architekturen ein.Dabei werden sowohl die Puppen als auch die Architekturen ihrer ursprünglichen Bestimmung und Funktion enthoben und ergänzen sich zu einem neuen Ganzen, das sich aus Anteilen von Studiofotografien als auch Außenaufnahmen zusammensetzt. Die Aufnahmen verbinden sowohl das Innen und Außen als auch die unterschiedlichen Zeitebenen der Einzelbelichtungen. Licht unterschiedlichen zeitlichen und geografischen Ursprungs wird in einem Bild vereint.  

 

transit 

transit beschäftigt sich mit Räumen, deren Hauptmerkmal darin besteht, dafür gebaut zu sein, um wieder verlassen zu werden. Orte, deren Bestimmung nicht im Ankommen oder Verweilen liegt, sondern deren Zweck ihre Durchquerung ist. Das Passieren. Als Teil eines Weges. Nicht als Ziel. Die Frage nach dem Woher bleibt ebenso offen, wie die Frage des Wohin. Ein pulsierender Schmelztiegel von sich kreuzenden Wegen.Die Aufnahmen bewegen sich im Spannungsverhältnis zwischen Statik und Bewegung. Der ursprüngliche reale Ort der Aufnahme spielt zunehmend keine Rolle mehr, da es bei der Aussage der Fotografien mehr um den Transport einer Empfindung geht, als primär um die schlichte Abbildung eines Ortes oder einer Situation.

 

Ausgangspunkt der Serie ist die Überlegung, einen visuellen Eindruck eines Zustands zu schaffen, der in der heutigen Zeit omnipräsent zu sein scheint: die aus zunehmender Mobilität und Vernetzung resultierende Geschwindigkeit des Lebens. Immer mehr Menschen sind in ständiger Bewegung. Lokal, global, online, offline, aus freiem Willen und auch gezwungener Maßen.transit versucht diesen Zustand der Schnelligkeit und des Dazwischen mit fotografischen Mitteln sichtbar zu machen und die Fragen nach dem Woher? und Wohin? zu stellen, die aus dieser empfundenen Geschwindigkeit entstehen. Existiert das Ankommen noch, oder befinden wir uns in einem ständigen Zustand des transit? In einem unausweichlichen Geschwindigkeitsempfinden, auch wenn wir uns selbst gar nicht bewegen? Inwiefern ist dieser Zustand ein realer, oder ein subjektiv wahrgenommener? Die Fotografien spielen in ihrer Entstehung dahingehend mit dieser Fragestellung, dass sie einen Eindruck von Bewegung erwecken, aber in absoluter Bewegungslosigkeit, vom Stativ aus, entstanden sind.  

 

in between 

in between zeigt den Raum zwischen zwei Orten. Die Zeit einer Strecke auf lichtempfindliches Papier gebannt. Es zeichnet alle Spuren auf, die Licht während der Reise über Ländergrenzen und Kontinente hinweg auf dem Papier zurückgelassen hat. Beschreibt sozusagen das ‚Dazwischen‘, das mit unseren menschlichen Sinnesorganen visuell nicht wahrgenommen werden kann. Eine Entfernungs- Zeit Kombination, die über unser herkömmliches Vorstellungsvermögen hinausgeht.Die Belichtung beginnt in einem Land und endet in einem anderen. So vereinigt sich Licht unterschiedlichen geographischen Ursprungs zu einem neuen Ganzen.Ein Prozess, der genau einmal möglich ist, da jede Wegstrecke in ihrer Kombination Strecke - Zeit - Licht ein nicht wiederholbares Ereignis.Man könnte sagen, dass es für den optischen Eindruck eines Bildes nicht wichtig ist, wie es entstanden ist. Hält man Fotografie für eine Kunst des Geschichtenerzählers, stellt man fest, dass der Entstehungsprozess Teil der Geschichte ist. Es macht einen Unterschied, ob ein Blatt lichtempfindlichen Papiers tausende Kilometer während der Belichtung gereist ist, oder ob es sich um ein Stück Papier handelt, auf das der optische Eindruck der Reise gedruckt wurde. Der Entstehungsprozess ist Teil der entstehenden Arbeit. Die wahre Geschichte kann nur von dem erzählt werden, der sie erlebt hat.Sozusagen als Zeuge des flüchtigen Momentes.  gigapolis Angezogen vom Pulsschlag der Städte strömen Menschen, wie magisch angezogen, in die Ballungsräume unserer modernen Welt. Mit all ihren Wünschen und Träumen, deren Erfüllung sie sich in den Metropolen erhoffen. Wie ein Dunstschleier liegen diese Erwartungen über jedem neuen Tag, der sich immer weiter ausbreitende undefinierbaren Masse aus Verkehr und Architektur. Jener ineinandergreifenden Verbindung aus Struktur und Chaos, die wie ein Meer aus Stahl und Beton über die Erdoberfläche fließt.Ein, sich in ständiger Veränderung befindliches Biotop, ein niemals endender Kreislauf von Verfall und Wiederaufbau. A Circle of Live.Durch die ständige Bewegung der Kamera während der Aufnahme entstehen verschwommene Bilder, die zwischen Malerei und Fotografie anzusiedeln sind und den Zustand dieser unendlichen Bewegung beschreiben.

 

» www.markuskaesler.de

STANKO ABADZIC ARTOFFOTO RICHARD AVÉDIKIAN ILONA DRECHSEL-AVÉDIKIAN RONNY BEHNERT THOMAS BENZINGJÜRGEN BÜRGINHELGA UND VICTOR VON BRAUCHITSCH SUSANNE CASPER-ZIELONKA GUNTER CHEMNITZ RALF J. DIEMB STEFAN DILLER WINFRIED EBERHARDT MEIKE FISCHERWILFRIED GEBHARD CLAUS DIETER GEISSLERRoland Grimm BERNHARD M. HARTMANN CARL-THOMAS HAUSER USCHI HERMANUTZ ANDREAS KASTNER» MARKUS KAESLERWERNER KUMPF KOSCHIES WOLFGANG LAMPE PETER LEBEDA WERNER LEBERT ANDREAS LEEMANN EVA LUNDH JÜRGEN MAI ULRICH MATTNER KLAUS D. NESSEL UWE NÖLKE NORBERT PLÖSSER DR. OLIVER RASCHKA BERTHOLD ROSENBERG FRIEDRICH SALLER JOACHIM TRAUTNER SADIK ÜCOK DR. GÜNTER UNBESCHEID SIEGFRIED UTZIG WALTER VOGEL MARK VOGELGESANG ANDREAS WEIDNER ANDREAS WELLMANNFRANK WESP THOMAS WUNSCH